Gespräch mit zwei Vorständen
Nicht nur Menschen, auch Vereine werden älter. schule beruf e.V. ist den Kinderschuhen schon lange entwachsen und hat in 30 Jahren immer wieder finanziell und politisch schwierige Zeiten erlebt. Doch stets wurde an den Projekten festgehalten. Das wird auch in Zukunft so bleiben, sind sich Wolfgang Rackl, ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender seit 2007 und Thomas Niedermaier, Leiter der Beratungsstelle und im Vorstand seit 2007, sicher.
schuleberuf.de: Offene Jugendarbeit, Schulsozialarbeit, Familienberatung – ein weites Feld für einen Verein. Gibt es Gemeinsamkeiten?
Wolfgang Rackl: Die Klammer ist weniger die konkrete Arbeit in den Projekten, sondern die übergreifende Idee des Engagements der Vorreiter aus der 68er Generation. Was alle Mitarbeiter und Projekte verbindet, so nehme ich das immer wieder wahr, ist die Vorstellung und Hoffnung, die Welt besser machen zu können.
Thomas Niedermaier: In allen Projekten ist es eine Arbeit mit vielen Freiräumen, überhaupt nicht zentralistisch. So sind die Gestaltungsräume größer als bei anderen Trägern. Dieses große Maß an Selbstbestimmung ist jedoch gleichzeitig Stärke und Schwäche. Über manche Punkte müssen wir lange diskutieren. Aber wir finden immer eine Lösung.
schuleberuf.de: Wie ist das Miteinander im Verein?
Wolfgang Rackl: Das Klima ist vertrauensvoll, offen, aber auch kritisch.
Thomas Niedermaier: Typisch ist auch ein hohes Maß an Eigendynamik in den Projekten. Ein gutes Beispiel dafür ist Mira. Denn die Idee dafür hatten zwei Kolleginnen aus dem Treff 21. So liegt die Verantwortung für viele Entscheidungen bei den Projekten selbst. Ich finde außerdem, dass wenig Energie verschwendet wird, denn die Entscheidungswege sind kurz.
schuleberuf.de: Ist es immer leicht, für Jugendliche und ihre Familien da zu sein?
Wolfgang Rackl: Was die Projektarbeit manchmal schwierig macht, ist die Neigung von öffentlichen Stellen Sozialproblematik in Gesetzestexte pressen zu wollen. Das ist zum Teil zu schematisch und wird den tatsächlichen Problemlagen nicht gerecht. Jedoch hat sich die Jugendarbeit auch sehr professionalisiert und man muss heute den Kommunen nicht mehr so viel abringen wie früher.
Thomas Niedermaier: In den 80ern konnte man kreativer sein. Heute sind viel präzisere Aufgaben zu erfüllen, das schränkt die Spielräume ein. Früher war mal ein Segeltörn drin, oder eine Fototour durch Münchner Museen. Das lässt sich heute nicht mehr machen.
schuleberuf.de: Wie stehen Sie neuen Projekten gegenüber?
Wolfgang Rackl: Ich bin grundsätzlich eher für Konsolidierung und denke: Was wir machen, sollen wir richtig machen. So besteht auch in schwierigen finanziellen Zeiten keine Gefahr, dass eines der Projekte geschlossen wird. Einige Neuerungen geben uns heute einen sehr professionellen Auftritt, das neue Büro in der Herrmann-Lingg-Straße, der Neubau der Projektwerkstatt und die neuen Räume der Beratungsstelle. Darauf sind wir stolz, aber wir müssen dem nun auch gerecht werden. Woran wir uns messen, ist die Zufriedenheit unserer Klienten. Denn wir arbeiten für die, denen es nicht so gut geht. Dem gilt unsere Energie.
schuleberuf.de: Welche Ziele haben Sie für die nächsten Jahre?
Thomas Niedermaier: Leider war es nicht immer leicht, Vorstandsmitglieder zu finden. Es wäre schön, wenn sich das ändern ließe.
Wolfgang Rackl: Mir ist wichtig, die bestehenden Projekte gut am Laufen zu halten. Außerdem ist es mein persönliches Ziel, den Vorstandsvorsitz in einem guten Zustand zu übergeben. Es hat in der Vergangenheit atmosphärische Unstimmigkeiten gegeben, die ein professionelles Arbeiten erschwert haben.
schuleberuf.de: Wünschen Sie sich, dass der Verein einmal bedeutend mehr Mitglieder haben wird?
Wolfgang Rackl: Im Kern ist die jetzige Größe genau richtig. Wären wir größer, bräuchte es irgendwann einen hauptamtlichen Geschäftsführer, das wäre eine andere Dimension.


